An den Euro gefesselt


>>
Download PDF-Datei

Es sei, meinte Nationalbank-Vize Thomas Jordan kürzlich, nicht so wichtig, ob die Nationalbank eine positive oder eine negative Bilanz ausweisen könne.

Eine Stellungnahme, welche die Öffentlichkeit über die massiven Verluste hinwegtrösten soll, welche die Nationalbank in den letzten zehn Jahren auf dem von ihr verwalteten Volksvermögen eingefahren hat. Rund 50 Milliarden Franken verspielte sie, als sie 1‘550 Tonnen Goldreserven kopflos zum allerdümmsten Zeitpunkt zum während Jahrzehnten niedrigsten Goldpreis regelrecht verschleuderte. Wären diese Goldreserven noch vorhanden, würde die Nationalbank-Bilanz um volle 75 Milliarden Franken positiver ausfallen.

«Nicht so schlimm…»
Weitere rund 50 Milliarden Verlust trugen der Nationalbank die vor allem 2010 zur Unzeit erfolgten Stützungskäufe ein zugunsten des von Schwindsucht erfassten Euro, teilweise auch des kontinuierlich fallenden Dollar.

Sollte die Nationalbank-Bilanz ins Minus fallen, dann bliebe ihr die Notenpresse: Die Nationalbank könnte einfach (ungedeckte) Franken drucken. Sie bliebe damit zahlungsfähig. Dass sie damit die Inflation antreibt, die alle sorgfältigen Sparer teilenteignet – dazu formulierte Nationalbank-Vize Thomas Jordan keinerlei beschönigende Worte. Das hat der Steuerzahler und Sparer einfach hinzunehmen.

280 Milliarden Euro
Dafür war aus der Nationalbank-Statistik weiter zu erfahren, dass die Euro-Bestände unserer Zentralbank inzwischen die schwindelerregende Summe von 280 Milliarden erreicht haben.

Was stellen diese 280 Milliarden dar? Vermögen? Vermögen, über das der Vermögensinhaber, die Nationalbank, gegebenenfalls frei verfügen könnte?

Was würde wohl geschehen, wenn die Nationalbank diese 280 Milliarden Euro plötzlich auf den Markt werfen würde? Jeder kann sich die Konsequenz ausmalen: Sofort würde die Schreckensmeldung kursieren, jetzt habe auch die Schweiz alles Vertrauen in den Euro verloren. Der Euro würde ins Bodenlose fallen. Eine Tatsache mit Konsequenzen: Die 280 Milliarden Euro können zwar in der Nationalbank-Bilanz aufgeführt werden. Faktisch sind sie indessen unverkäuflich. Die Nationalbank ist heute an den von Schwindsucht befallenen Euro regelrecht gefesselt.

Und wenn der Euro kollabiert?
Was aber, wenn der Euro angesichts der EU-Unfähigkeit, die Überschuldungskrise endlich in den Griff zu bekommen, zusammenbricht? Das ist keineswegs undenkbar! Will die Nationalbank dann in Torschlusspanik alle ihre Eurobestände irgendwie zu miserablem Preis noch abstossen? Wer trägt den daraus resultierenden Verlust? Wer übernimmt die Verantwortung für den offensichtlichen Raubbau am Volksvermögen, der damit Tatsache würde?

Wenn unruhige Jahre, wenn unwägbare Entwicklungen bevorstehen, legt der, der vorausschaut, Reserven an. Echte, werthaltige Reserven – gewiss nicht in Form kollapsbedrohter Fremdwährungen. Da der Goldpreis derzeit leicht sinkt, wäre die Nationalbank, wenn sie ihre Treuhandfunktion im Dienste des Volksvermögens der Schweizerinnen und Schweizer ernst nähme, gut beraten, ihre Goldbestände massvoll zu erhöhen. Diese blieben, wenn ein Währungskrieg ausbricht, intakt – während bezüglich Euro das Schlimmste befürchtet werden muss.

Die Goldinitiative ist lanciert. Es ist offensichtlich von ausschlaggebender Bedeutung, dass sie rasch zustande kommt. Damit gerettet werden kann, was noch zu retten ist.

Ulrich Schlüer


(C) 2011 - 2013: Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken